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Viele denken nach einem Unfall:

„Ich lass mir das Geld einfach auszahlen, dann mach ich’s selbst oder such mir jemanden, der’s günstiger repariert.“

Klingt erstmal clever – ist es aber meistens nicht.
Die fiktive Abrechnung ist kein Bonusgeschäft, sondern eine gekürzte Auszahlung.
Hier steht, was du wissen musst, bevor du dich über den Tisch ziehen lässt.


1️⃣ Was bedeutet fiktive Abrechnung?

Bei einer fiktiven Abrechnung lässt du dein Auto nicht reparieren,
sondern lässt dir den Schaden auf Basis eines Gutachtens auszahlen.

Die Idee:
„Ich nehme das Geld – und entscheide selbst, was ich damit mache.“

Das darfst du.
Aber: Die Versicherung zahlt dann nicht die vollen Kosten, die im Gutachten stehen.


2️⃣ Was bei fiktiver Abrechnung nicht bezahlt wird

Hier wird’s interessant.
Wenn du fiktiv abrechnest, streichen die Versicherungen standardmäßig:

Mehrwertsteuer (USt) – 19 % weg, wenn du keine Rechnung vorlegst.
Verbringungskosten – also der Transport zur Lackiererei.
UPE-Aufschläge – Zuschläge auf Ersatzteile, die Werkstätten kalkulieren.
Beilackierungskosten – wird oft als „nicht zwingend erforderlich“ abgelehnt.
Markenwerkstatt-Stundensätze – wird durch „freie Werkstatt“ ersetzt.

Das klingt nach Kleinigkeiten – summiert sich aber brutal.


3️⃣ Rechenbeispiel aus der Praxis

Schadengutachten: 8.000 € brutto
Versicherung sagt: „Wir zahlen fiktiv aus.“

Was passiert:

PositionKürzung
Mehrwertsteuer (19 %)– 1.280 €
Verbringungskosten– 180 €
UPE-Aufschläge– 210 €
Beilackierung– 200 €
Freie-Werkstatt-Abschlag– 330 €
Bleibt übrig:≈ 5.800 €

👉 Du hast also über 2.000 € weniger, bevor du überhaupt angefangen hast, etwas zu reparieren.


4️⃣ Und es kommt noch dicker

Selbst wenn du den Schaden selbst behebst oder nur teilweise reparierst:

  • Keine Wertminderung – bekommst du oft gar nicht.
  • Kein Nutzungsausfall, wenn du nicht belegen kannst, dass das Auto nicht fahrbereit war.
  • Beim Verkauf musst du den Unfallschaden trotzdem angeben –
    aber du hast keine Rechnung oder Nachweise, dass er fachgerecht repariert wurde.

Das heißt: Wertverlust beim Verkauf, zusätzlich zu deiner Kürzung.


5️⃣ Wann fiktive Abrechnung trotzdem Sinn machen kann

✔ Wenn der Schaden klein ist (z. B. Kratzer, Stoßfänger)
✔ Wenn du selbst fachgerecht reparieren kannst
✔ Wenn du den Wagen ohnehin behalten willst

Dann kann es sich lohnen – aber nur mit einem sauberen Gutachten als Grundlage.


🧭 Fazit – Fiktive Abrechnung klingt gut, ist aber teuer

Die Versicherung spart. Nicht du.
Wer fiktiv abrechnet, bekommt selten den Betrag, den er denkt.
Ohne Belege, Nachweise und sauberes Gutachten bist du der Versicherung ausgeliefert.

Ich sag dir ehrlich, wann sich fiktive Abrechnung lohnt – und wann du besser die Finger davon lässt.